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Flußspatbergbau bei Ilmenau
Nach dem Erliegen des Ilmenauer Kupfer- und Silberbergbaues, Wurden der Fluß- und Schwerspat die bedeutendsten, bergmännisch gewonnenen Mineralien in der Umgebung Ilmenaus. Die größten Vorkommen der Gegend befinden sich in der Gemarkung Oehrenstock Die Gruben liegen im Schortetal, Wildtal und Schobsetal Flußspat (Kalziumfluorit) wird in Glashütten, Eisenhütten, Stahlwerken, Kupferhütten etc. als Flußmittel verwendet auch in Emailierwerken und Zementfabriken ist Flußspat unentbehrlich Flußspat ist der Grundstoff zur Flußsäureherstellung und gewinnt deshalb ständig an Bedeutung für die moderne chemische Industrie. Schwerspat (Bariumsulfat) ist ein unentbehrlicher Rohstoff in der Ultramarinherstellung, in der Papierherstellung (für Glanz- und Kunstdruckpapiere, Tapeten) und in der Farbenindustrie. Außerdem wird er als Belastungsspat (auf Grund des hohen spezifischen Gewichtes) z.B. für Krangegengewichte verwendet. Weitere wichtige Verwendung findet der Schwerspat als Strahlenabsorber z.B. in den Betonmänteln von Kernkraftwerken. Graf von Geldern Egmond äußerte schon 1913, daß des Flußspatvorkommen eines der mächtigsten in Deutschland ist, welches hauptsächlich der großen Exportnachfrage- prädistiniert und als Hauplager für den Spatbedarf anzusehen ist.
In den Grubenfeldern, wo bis zum März 1991 der VEB Fluß - und Schwerspatbetrieb in der Teufe den Flußspat abbaute, wurde schon vor vielen Jahren Flußspat gewonnen, wie man aus den nachfolgenden Verleihungen der Grubenfelder ersehen kann.
Deutscher Kaiser1692
Siegfried1910
Fürst Carl Günther1884
Michael1842/ 1857/ 1874/ 1885/ 1893
Prinz Carl1658/ 1864/ 1867/ 1874/ 1876
Prinz Carl I1910
Morgensonne1892
Bismarck1921
Pluto1887
Im Durchschnitt wurde vier bis fünf Jahre vor einer Verleihung mit der Erkundung und Erschließung (Mutung) eines Grubenfeldes begonnen. Deshalb muß man als erwiesen ansehen, daß seit dem Jahre 1838 im Revier Ilmenau Flußspat abgebaut wurde. 1896 erwarb Oscar Pfleger das Flußspatvorkommen bei Oehrenstock durch seine Schwester - verheiratete von Hake, die in der Villa Elisabeth in Oehrenstock wohnte. Die Priegers waren drei Geschwister -
     Ökonomierat P. Prieger

     Oscar Prieger und

     Elisabeth von Hake, geb. Prieger
Die Familie Prieger stammt aus Bayern (Unterfranken) Hauptsitz der Familie war Schloß Gereuth b. Untermerzbach / Itztal. Das Vermögen von Oscar Prieger wurde auf mehrere Millionen geschätzt. Er war Besitzer von 26 Rittergütern und 2 Grubenbetrieben. Davon war ein Grubenbetrieb in der Gemarkung Oehrenstock. Vor dem ersten Weltkrieg hat die Tochter von Frau Hake - Irene Hake - den aus österreichischem Adel stammenden Graf Carl Georg von Geldern geheiratet Dieser wurde von Oscar Pfleger als Repräsentant im Flußspatbetrieb eingesetzt Am 10. Oktober 1912 schrieb Graf von Geiern über die Flußspatgruben in der Gemarkung Oehrenstock bei Ilmenau, damaliges Fürstentum Schwarzburg - Sondershausen: ,Die Gegend von Ilmenau in Thüringen zeichnet sich in geologischer Hinsicht besonders durch das Auftreten zahlreicher, das Gebirge durchziehender und mineralführender Gangspalten aus.'. Die verschiedentlichen Vorkommen gaben schon früher Anlaß zu mehr oder minder erfolgreichem Bergbau. Das hauptsächliche Vorkommen ist Fluß- und Schwerspat Die weitaus bedeutendsten derartigen Vorkommen sind im Besitz des Herrn Ritterguts- und Bergwerkbesitzers Oscar Pfleger und Frau Elisabeth von Hake.
Es sind dies folgende Gruben:
    Deutscher Kaiser
    Siegfried
    Fürst Carl Günther
    Michael
    Prinz Carl
    Prinz Carl 1
    Morgensonne
Die Gesamtfläche erwähnter Gruben beträgt ca. 3,5 Millionen Quadratmeter. In allen diesen Feldern ist der Flußspat in Haupt- und Nebengängen nachzuweisen. Die Gesamtlänge der Hauptgänge erstreckt sich über 2000 Meter.
Ganz besonders muß betont werden, daß in der Gewinnung ein vorteilhafter Unterschied gegenüber anderen Gruben der Konkurrenz liegt die nämlich ihr Material aus ziemlich beträchtlichen Teufen (es sei hier nur auf die Spatgrube der Mathildenhütte in Rotleberode / Harz hingewiesen, welche aus ca. 160 m Teufe fordert) bei sehr kostspieliger Gewinnung fordern müssen.
Auf der Grube "Prinz Carl" wird aus einem großzügig angelegten Tagebau der Spat inkl. einer Handscheidung für nur M 1,- pro Tonne auf die Verladerampe gebracht. Dieser Tagebau kann nötigenfalls mit ganz geringen Mitteln derart erweitert werden, daß mit einer Belegschaft von 36 Mann pro Schicht
120 Tonnen

mit Leichtigkeit gefördert werden können.
Auf der Grube "Michael" liegen die Verhältnisse ähnlich wie auf Grube "Prinz Carl", d.h. die Gewinnbarkeit ist die gleich Leichte. In einem Firstenabbau mit Berge-Versatz würde die Tonne ebenfalls mit höchstens
M I,20 pro Tonne

lieferbar sein.
Im Nachstehenden wollen wir eine Kalkulation über die Jahresproduktion und die Gewinnchancen aufstellen.
Zu diesem Zweck setzen wir als Durchschnittspreis an:
für Stücke M 120,00 pro 10 t
für Grubenförderung M 85,00 pro 10 t
als Tagesförderung legen wir zu Grunde:
Tagebau 120,00 t
Firstenabbau 60,00 t
= 180,00 t
davon sind 75% Stücke 135,00 t
25% Grubenförderung 45,00 t
Selbstkostenpreis
heutiger Akkordsatz pro t 1,00 M
Achsenfracht von der Grube Station Grenzhammer oder Gehren pro t 1,80 M
Grubenentschädigung, Verholzung, Gezähe usw. pro t 0,30 M
für stete Aus- und Vorrichtung pro t 0,40 M


pro t 3,50 M

 
Wird das Jahr mit 300 Arbeitstagen angenommen, so ergibt sich folgende Formel:
Jahresproduktion in Tonnen
    135 x 300 - 40,5 t Stücke
    45 x 300 - 13,5 t Grubenförderung
Jahresproduktion in Mark
	135 x ( 12,0 - 3,5) x 300 = 344.250,00 M
	45  x ( 8,5  - 3,5) x 300 =  67.500,00 M

= 411.750,00 M

Bei einem rationellen Großbetrieb würde in erster Linie das Augenmerk auf eine rasche und billige Beförderung des gewonnenen Materials von der Grube bis zur Eisenbahnverladerampe gelegt. Hierzu würde mit geringen Unkosten eine Drahtseilbahn von der Grube zur Eisenbahnstation Grenzhammer (ca. 2,5 km) zu bauen sein. Die Nachfrage nach Spatmehl ist sehr groß. Besonders viel wird die Qualität des Michaelspates verlangt und dieser Spat wird in Mehlform bis 600,00 M pro Waggon verkauft. Bis vor ein paar Jahren wurde die Aufbereitung und das Mahlen das Spates von einer Mühle am Löfflershammer bei Ilmenau besorgt. Bei einem Großbetrieb würde auch der Verkauf des Spatmehls als wesentlicher Faktor in Betracht gezogen. Die Konkurrenzgruben liegen für das Rheinland und für Westfalen frachtlich günstiger, was aus nachfolgender Aufstellung ersichtlich ist. Da von der rheinisch-westfälischen Stahlindustrie hauptsächlich Stücke gefordert werden und diese von anderen Gruben nicht oder nur in geringer Quantität geliefert werden können, wären die Gruben von Oscar Prieger in der Lage diese Marktlücke zu schließen.
Es kosten 10.000 kg reine Fracht ab Station:
Grenzhammer (Prieger)
[M]
Rotleberode (Mathildenhütte)
[M]
Liebenstein (Wiesmann)
[M]
 

110,00 95,00 107,00 nach Düsseldorf
108,00 96,00 98,00 nach Mühlheim/ Ruhr
111,00 96,00 109,00 nach Neuss a. Rhein
97,00 96,00 94,00 nach Koblenz
108,00 99,00 105,00 nach Köln
102,00 86,00 100,00 nach Bochum
Neuinvestitionen für die notwendigen Neuanlagen:
1. Zerkleinerungs- und Aufbereitungsanlage 20.000,00 M
2. Mühlenanlage 40.000,00 M
3. Drahtseilbahn 70.000,00 M
4. Kraftanlage 120 PS 42.000,00 M
5. Kompresserenanlage 10.000,00 M
6. 10 Bohrmaschinen mir Rohrleitung 4.000,00 M
7. 100 Förderwagen und Gezähe 5.000,00 M
8. Verladeeinrichtung 10.000,00 M
9. 200 m Anschlußgleise komplett 15.000,00 M
  zur Aufrundung 24.000,00 M
    = 240.000,00 M

Rentabilitätsrechnung

Die Gesamtkosten betragen pro Tonne Spat 3,40 M Verwaltungskosten:
    1 technischer Direktor 12.000,00 M
    1 kaufmännischer Direktor 6.000,00 M
    1 Buchhalter 3.600,00 M
    1 Stenotypist 1.800,00 M
    1 Materialverwalter 2.000,00 M
    Unterhaltung des Fuhrwerkes 3.600,00 M
    = 31.000,00 M
Verpflichtungen:
    Knappschaft
    Krankenkasse
    Invalidengelder
    Reisekosten
    Handlungskosten
    Steuern
    Aufrundung
     
    Summe:                                 60.000,00 M
Die Durchschnittsgestehungskosten pro Tonne Spat (Fertigspat) betragen:
    Gewinnungskosten 3,40 M
    Generalien 2,00 M
    Aufbereitung und Mahlen 2,00 M
    Kraft 0,55 M
    = 7,95 M
Es belaufen sich mithin die Gesamtunkosten auf
238.500,00 M (30.000 t x 7,95 M)

Die eingesetzten Verkaufspreise, trotz ihrer äußerst niedrigen Bewertung anerkennend, beziffern einen Reingewinn von:
    Brutto - Einnahmen 565.000,00 M
    Gesamtunkosten ./. 238.500,00 M
    Amortisation ./. 60.000,00 M
    Netto = 266.500,00 M

Graf Geldern - Egmond

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